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„Parentel Advisory“ und Jugendschutz in Deutschland

Aktualisiert: Apr 12

Parental Advisory Explicit Content. Für die einen ist es eine Marke, für die anderen die Ratio der Rechtfertigung der Eltern etwas nicht anhören zu dürfen. Die einen verbinden mit dem Label eine Art Gütesiegel für echte Hip-Hop Qualität, die anderen reine verbale Entgleisung. Doch was steckt hinter dem „Parental Advisory“ Label? Woher stammt die Kennzeichnung? Und wie verhält es sich in Deutschland? Dies und mehr erfährst du in diesem Artikel.


Die Entstehungsgeschichte des Labels ist weitaus anders als man zunächst zu glauben vermag. Das Label entstand aufgrund des Vorgehens des sog. "Parents Music Resource Centers". Die 1985 gegründete wohltätige Organisation bildet ein Gremium mit dem Ziel Eltern auf anstößige Inhalte und Gewaltverherrlichung hinzuweisen und so im Allgemeinen den Jugendschutz zu stärken. Die Organisation wurde u. a. von der Ehefrau des US-amerikanischen Politikers Al Gore gegründet. Sie zeichnete sich ferner in ihren anfänglichen Schaffensjahren durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit aus. Der Druck hierdurch führte letztlich dazu, dass größere Plattenfirmen zu einer freiwilligen (!) Selbstverpflichtung bewegt wurden, potenziell jugendgefährdende Veröffentlichungen zu kennzeichnen. Eine explizite gesetzliche Reglung hierzu gibt es nicht.


Auch die deutsche Hip-Hop Branche hat diese Selbstverpflichtung nicht unberührt gelassen. Es fand eine Rezeption durch manche Labels statt. Beispielsweise das ehemalige Independent-Label Aggro Berlin verwendete, bis zu seiner Auflösung im Jahre 2009, auf seinen Veröffentlichungen oftmals den Schriftzug "Verbraucher Hinweis – Harte Texte", in einer Gestaltungsweise, die dem Label „Parental Advisory“ nachempfunden ist.


Durch den Import vieler US-amerikanischer Platten wird so auch der Jugendschutz in Deutschland reflexartig gestärkt. Doch wie steht es wirklich um den Jugendschutz in Deutschlands Musikwelt? Aufmerksamen Konsumenten ist sicherlich aufgefallen, dass es Altersbeschränkungen, wie auf Filmen und Videospielen, nicht gibt. § 5 JuSchG normiert Altersbegrenzungen für öffentliche Tanzveranstaltungen und Konzerte. Auch gibt es besondere Ausgehzeiten. Das schärfste Schwert des Staates ist dann aber die Möglichkeit einer Indizierung bei besonders jugendgefährdendem Inhalt. Diese fußt auf der in Artt. 5 II, 20 GG ruhenden Pflicht des Staats die Jugend zu schützen.


Das Schwert der Indizierung wird auch regelmäßig gezogen, wie es bspw. die Düsseldorfer Rapper Kollegah und Farid Bang erfahren mussten. Alle Alben der „jung, brutal, gutaussehend “-Trilogie wurden durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.


Doch anhand welcher Kriterien entscheidet die Bundesprüfstelle? Willkürlich entscheidet sie sicherlich nicht. Je nach Offensichtlichkeit der Jugendgefährdung entscheidet die Prüfstelle durch ein zwölfköpfiges oder dreiköpfiges Gremium, anhand objektiver Kriterien. Ein Kriterium ist hierbei die strafrechtliche Relevanz. Strafrechtlich relevante Inhalte dürfen auf Tonträgern nicht verbreitet werden. Schwer jugendgefährdende Inhalte, die nicht strafrechtlich relevant sind, bleiben dagegen Erwachsenen zugänglich. Um ein grobes Bewusstsein für indizierungsrelevante Themen zu schaffen: Verrohende Wirkung, Anreizen zu Gewalttätigkeit; Anreizen zu Verbrechen; Anreizen zu Rassenhass; Selbstzweckhafte, detaillierte Gewaltdarstellungen; Nahelegung von Selbstjustiz und Unsittlichkeit sind anerkannte Fallgruppen der Prüfstelle, vgl. § 18 Abs. 1 Satz 2 JuSchG.


Im Falle des Düsseldorfer Rap-Duos waren die auf dem JBG 3-Album (2018) enthaltenen Lieder „Gamechanger“ und „Wenn der Gegner am Boden liegt“ sowie die auf der Bonus-EP „§ 185“ enthaltenen Stücke Ghettosuperstars 2 und 0815 ausschlaggebend für die Indizierung. Das Gremium begründete dies damit, dass die Tracks eine „[...] verrohende sowie eine Frauen diskriminierende Wirkung“ haben. Damit war der Verkauf an Kinder und Jugendliche ausgeschlossen.


Was du aus dem Beitrag mitnehmen solltest: Für viele wurde nun das famose Rätsel gelüftet, was sich hinter dem Label „Parentel Advisory“ versteckt. Für die nächste Runde Quizduell solltest du damit gewappnet sein. Auch weißt du nun in groben Zügen welche zwei Gremien es zur Indizierung gibt und anhand welcher Kriterien die Prüfstelle entscheidet.


Danke fürs lesen! Schaut gerne mal auf meinem Instagram-Account @the-hip-hop-law-journal vorbei. Viele Grüße, euer TEH von The Hip-Hop Law Journal.

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