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Gastbeitrag zum Thema NFT am Beispiel des Rappers Xatar.

Kunstwerke sind heute unendlich reproduzierbar und daher einer Masse von Menschen zugänglich. Die Schaffung digitaler Unikate ist daher die logische Konsequenz. In den letzten Wochen hat vor allem ein Thema den Krypto-Sektor dominiert: sog. „Non-Fungible Token“, die eher unter dem Akronym „NFT“ bekannt sind. Diese Kryptogattung hat eine regelrechte Goldgräberstimmung ausgelöst, sodass der Verkaufskurs mancher NFTs senkrecht in die Höhe geschossen ist. Den Höhepunkt bildete der Verkauf der Collage „Beeple“, welche bei dem Auktionshaus Christie’s für 69 Mio $ versteigert wurde[1]. Es hat nicht lange gedauert, bis die ersten US-Rapper wie TheWeeknd und Eminem auf den Zug aufgesprungen sind [2] . In Deutschland hat Xatar zum Jubiläum seines Albums "Baba aller Babas" ein NFT veröffentlicht, das neben einer 360 Grad Aufnahme seines Kopfs einen exklusiven Track bietet[3]. Die Liste der NFT-Künstler wird täglich länger, weshalb sich ein Blick auf die rechtlichen Fragestellungen lohnt. Einen Überblick bietet Euch dieser Blog-Eintrag.


Mit dem Begriff NFT konnten bis vor kurzem selbst krypto-affine Menschen wenig anfangen. Daher stellt sich zunächst die Frage, worum es sich hierbei handelt. Bereits der Begriff „non-fungible“, also „nicht ersetzbar“ liefert die Erklärung: Im Gegensatz zu ersetzbaren kryptografischen Token, wie beispielsweise Bitcoin, sind NFTs stets ein Unikat. Der Vorteil besteht darin, dass der Token nicht replizierbar, bzw. teilbar ist und daher die Fähigkeit besitzt, zu einem digitalen Sammlerstück zu werden. Übertragen in die analoge Welt, ist dies vergleichbar mit einem originalen Gemälde, welches nur einmal auf der Welt existiert. NFTs basieren auf Ethereum und sind so durch eine Blockchain gesichert. Auf einem Link, auf den nur der Inhaber Zugriff hat, werden die durch den Künstler zugewiesenen Rechte in der Blockchain gespeichert. Diese „Tokenisierung“ ist also eine Art digitale Verbriefung von Rechten der Künstler, praktisch vergleichbar mit dem uns bekannten Grundbuch.


Doch handelt es sich bei digitalen Assets keineswegs um eintragungsfähige Rechte. Eigentum i. S. d. BGB gibt es nur an Sachen (§ 90 BGB), nicht aber an Dateien, wie etwa bei einem Bild von Xatars Kopf. Künstlerische immaterielle Werke, wie etwa Musik, sind durch urheberrechtliche Nutzungs- und Verwertungsrechte gesichert. Die Übertragung von Rechten durch NFT klingt für die Nutzer zunächst verlockend, jedoch stellt sich die Frage, ob ihre Token rechtlich auch das einhalten können, was sie versprechen. Hierzu ein kleiner (urheber-)rechtlicher Überblick:

Zunächst ist die Gesetzeslage bzgl. des Urheberrechts zu beachten, da noch unklar ist, wie das Erstellen eines NFTs rechtlich zu kategorisieren ist und welche Rechte im Speziellen mit dem Verkauf eines NFTs auf den Käufer übergehen. Grundvoraussetzung für einen urheberrechtlichen Schutz ist die Schöpfungshöhe, also die persönliche Note des Künstlers. Dies ist ein Kriterium, das Leistungen von solchen abgrenzen soll, die keinem urheberrechtlichen Schutz unterliegen[4], m. a. W. „gemeinfrei“ sind. Regelmäßig fehlt es K.I.-generierten NFTs doch an einer solchen persönlichen Note, weshalb NFTs daher von vornherein ausscheiden könnten[5]. Das Recht zur Schaffung eines NFT könnte einerseits als ein ausschließliches Recht des Künstlers gem. § 15 Abs. 2 UrhG zu qualifizieren sein. Andererseits ist aber auch denkbar, dass das Recht zur Schaffung eines NFT gar keine urheberrechtliche Relevanz hat. Im letzteren Fall könnten Dritte NFTs von Werken erstellen, weshalb die Frage von Abwehrrechten des Künstlers gegen eine solche Erstellung aufkommt. Denkbar wäre die Qualifikation als „sonstiges Recht“ i.S.d. § 823 Abs. 1 BGB. Die vorausgesetzte Eigentumsähnlichkeit, wie die Zuordnungs- und Ausschlussfunktion von Eigentum wäre durch die Einmaligkeit und Fälschungssicherheit des NFT zumindest im Grundsatz nicht fernliegend.


Auch ist an dieser Stelle auf die Perspektive des Käufers einzugehen: Der Käufer eines NFT möchte sich gleichermaßen gegen eine Anmaßung durch Dritte schützen, weshalb auch hier die Frage aufkommt, welches Recht als Recht am NFT anzusehen ist. Wie zuvor dargestellt ist die Rechtslage hier noch nicht eindeutig, es käme hier aber ein verbrieftes eigentumsähnliches Nutzungsrecht in Betracht.


Ferner ist unklar, wie sich eine Wertsteigerung des NFT im Einzelnen auswirkt. Die vom UrhG vorgesehene Beteiligung des Künstlers an Wertsteigerungen seines Werks gem. § 32a UrhG ist jedenfalls auf technischer Ebene durch sog. „smart contracts“ zu bewerkstelligen und stellt daher so kein wirkliches Problem dar. Um an dieser Stelle noch kurz auf den Begriff des „smart contracts“ einzugehen: Ein „smart contract“ würde seiner Grundidee folgend bei jeder Transaktion einen Erlösteil auf eine „digitale Geldbörse“ des Künstlers überweisen, wodurch sich ein kontinuierliches passives Einkommen generieren lässt. Für viele kleine Künstler könnte dies mehr finanzielle Freiheit bedeuten, was sich wiederrum positiv auf die Musikszene und Ihre Vielfalt ausüben würde.


Um zurück zum Thema NFTs zu kommen: Es gilt ferner zu beachten, dass Nutzungsrechte gem. § 64 UrhG siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers erlöschen, weshalb das Werteversprechen des Tokens nach deutschem Recht lediglich über diesen Zeitraum von Bestand ist. Im Gegensatz zum Eigentum ist das verbriefte Recht also zeitlich beschränkt, auch wenn der Token in der Blockchain fortbesteht. Je nach Andauern des Hypes bleibt es daher abzuwarten, ob der Gesetzgeber in dieser Hinsicht Reformen trifft.


Viele Dinge im rechtlichen Geflecht rund um das Thema NFT sind also noch ungeklärt. Eins ist aber sicher: Die eingangsbeschriebene Goldgräberstimmung wird sicherlich weiter anhalten. Vor dem Hintergrund, für welche Summen analoge Kunst teilweise versteigert wird, erscheinen die erzielten Preise für NFT mittlerweile gar nicht mehr komplett absurd. Dennoch bestehen noch viele offene rechtliche Fragen, welche nicht nur in Deutschland zu Problemen führen könnten. Daher ist der Gesetzgeber gefragt, die rechtlichen Lücken schnell zu schließen, damit die Rechtsunsicherheit den ohnehin schon volatilen Krypto-Markt nicht noch zusätzlich aufwühlt.

Die Zukunft wird zeigen, ob es sich hierbei um eine gewaltige Blase handelt oder ob wir uns bis dato noch am Anfang einer lang anhaltenden Entwicklung befinden. Klar ist: Statussymbole verändern sich stetig und gerade in Zeiten der Pandemie verschiebt sich die Bühne der (Selbst-)Darstellung von der realen Welt ins Netz.


Dies war ein Gastbeitrag von meinem Freund und Kommilitonen Magnus von Bülow. Danke an Ihn für den spitzen Blog-Eintrag!

Ihr wollt euch selbst am schreiben versuchen? Dann meldet euch bei mir.


Danke fürs Lesen! Schaut gerne mal auf meinem Instagram-Account @jurisprudence_and_street vorbei. Viele Grüße!

[1] https://www.christies.com/features/Monumental-collage-by-Beeple-is-first-purely-digital-artwork-NFT-to-come-to-auction-11510-7.aspx. [2] https://www.btc-echo.de/news/eminem-verkauft-nft-kollektion-ueber-nifty-26042021-116847/; https://cryptobriefing.com/the-weeknd-raises-over-2-million-in-first-nft-auction/. [3] https://raptastisch.net/2021/04/27/kryptowaehrungen-xatar-verkauft-seinen-kopf-als-geldanlage/. [4]https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6pfungsh%C3%B6he#:~:text=Die%20Sch%C3%B6pfungsh%C3%B6he%2C%20Gestaltungsh%C3%B6he%20oder%20Werkh%C3%B6he,solchen%2C%20die%20dadurch%20gemeinfrei%20sind. [5] https://www.btc-echo.de/news/nft-nach-70-jahren-wertlos-digitale-kunst-trifft-auf-das-urheberrecht-114971/.

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