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Jur. Auslegung und Erläuterung einer Line d. Frankfurter Rappers "Haftbefehl", §§ 133,157

Bugs Bunny, Haftbefehl und Warner Brothers (WB). Ein Trickfilm-Hase, ein Rapper und eine US-amerikanische Film- und Fernsehgesellschaft. Sie sollten eigentlich nicht viel miteinander zu tun haben. Anders sieht dies doch der Frankfurter Rapper Haftbefehl, der auf seinem Track „Russisch Roulette“ des gleichnamigen Albums (2014) äußerte: „Sign bei FourArtists, Livegeschäft über Sony, Sign ein Deal bei Warner, so wie Bugs Bunny, das Album kommt über Universal, Hafti Abi macht Money“. Am rechtsgeschäftlichen Leben scheint Haftbefehl wohl gründlich zu partizipieren. Was es nun aber mit Bugs Bunny, Haftbefehl, Warner Brothers und seinem Universal-Deal auf sich hat, erfährst du in diesem Artikel.


Zugegebenermaßen ist Haftbefehls Line doch sehr auslegungsbedürftig. Kann ein Hase denn überhaupt einen Deal „signen“? Nun, zumindest nach deutschem Recht ist der Vertragsschluss nur geschäftsfähigen (natürlichen oder juristischen) Personen vorbehalten. So verhält es sich wohl auch in den Vereinigten Staaten und den meisten anderen Industrienationen der Welt. Was Haftbefehl, wohl mit seiner Line zum Ausdruck bringen wollte ist daher vielmehr, dass er und Bugs Bunny einer größeren Gesellschaft zugerechnet werden können, nämlich WB-Entertainment oder im Fall von Haftbefehls Album „Russisch Roulette“ die „Universal Music Group“, einem der weltgrößten Major-Label.


Bugs Bunny ist als Trick-Filmhase eine künstlerisch geschaffene Figur. Eben ein Cartoon. Der Hase unterfällt damit dem einschlägigen Urheberrecht und ist so als rechtlich geschütztes Werk der Gesellschaft Warner Brothers zuzurechnen.


Spannender verhält es sich in puncto Haftbefehl. Denn der „Babo“ hat so einige Deals abgeschlossen:


Der Begriff Deal stammt aus dem englischen und meint „Geschäft“, „Handel“ oder „Abkommen“. In der Sphäre des Frankfurter-Gangsterraps ist ein Deal dann eben ein Handel (bspw. mit Betäubungsmitteln) oder im Falle von Haftbefehls angeführter Line ein Vertragsschluss. Speziell meint Haftbefehl mit seiner Line „Sign ein Deal bei Warner, so wie Bugs Bunny“, aber die Kollaboration mit Warner Music, für seine Modemarke „Chabos“. Insoweit stehen der „Babo“ und der "Loony Tunes"-Hase also in einem Lager.


Ein Deal kann aber auch ein Plattenvertrag mit einem Label sein. Das meint Haftbefehl beispielsweise, wenn er rappt, dass sein Album „über Universal“ kommt. Zur Erklärung: Ein Plattenvertrag hat u. a. die Finanzierung eines Albums, Unterstützung beim Media-Marketing und die Produktion des Albums zum Gegenstand. Insbesondere gibt es hierbei den sog. „M&D-Deal“ einen „manufacturing & distribution Deal“, zu deutsch schlicht ein „Vertriebsvertrag“.


Ein weiterer wichtiger Bestandteil bei einem solchen Deal ist der sog. „Lizenzvertrag“. Große Plattengesellschaften, wie auch Universal, wollen ja nicht für umsonst arbeiten. Für ihren Support und Vorschuss fordern sie eine gewisse Gegenleistung. Und hier kommt der Lizenzvertrag ins Spiel.


Ein Lizenzvertrag ist ein Vertrag, mit dem der Inhaber eines gewerblichen Schutzrechts (Patent, Gebrauchsmuster, Geschmacksmuster, Schriftzeichen, Halbleiterschutzrecht, Marke) die vollständige oder teilweise Auswertung des Schutzrechts einem Dritten gegen Zahlung von Lizenzgebühr (Quelle: Wirtschaftslexikon Gabler) überlässt. Um es noch laiensprachlich zu formulieren: Wenn Rapper Haftbefehl, einen Deal mit einem Musik-Label „signet“ besteht die Leistung des Rappers in der Erstellung des Albums und der (teilweisen) Übertragung seiner Rechte an seinen Vertragspartner. Im Gegenzug erhält er die zuvor beschriebene Förderung in Form von Finanzierung und Absatzhilfe.


Insoweit sind Haftbefehl und der Trick-Hase Bugs Bunny doch ein stückweit vereint. Sowohl Haftbefehls Musik als auch der Trick-Hase, sind einer Gesellschaft nützliche Verwertungsmöglichkeiten, mit denen sich gut Geld verdienen lässt. Auch ist das Nutzungs-/Verwertungsrecht an Haftbefehls Musik und an der Cartoon-Figur Bugs Bunny rechtlich geschützt. Man könnte fast meinen, dass ein kleinwenig Jurisprudenz auf den Frankfurter Straßen anzutreffen ist. Naja, soviel Interpretationsmöglichkeit bietet Haftbefehls Line dann doch nicht. Letztlich wollte er wahrscheinlich doch nur sagen, dass er mehrere gut budgetierte Verträge („Hafti Abi macht Money“) abgeschlossen hat und er bzgl. seines Modelabels, mit „Loony Tunes“-Star Bugs Bunny unter einer Decke steckt, §§ 133, 157 BGB.


Danke fürs lesen! Schaut gerne mal auf meinem Instagram-Account @thehiphoplawjournal vorbei. Viele Grüße, euer TEH von The Hip-Hop Law Journal.


Disclaimer: Dies ist keine rechtliche Beratung.

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